Coach Carter: Champions lassen den Kopf nicht hängen

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Film: Coach Carter (2005), Regisseur: Thomas Carter, Lesedauer: 5 Minuten, Bild: Paramount Pictures

Ein Gastbeitrag von Jennifer B.

,Quarterlife Crisis‘ haben die amerikanischen Journalistinnen Alexandra Robbins und Abby Wilner die schwierige Lage genannt, in der sich junge Erwachsene befinden, die mitten in ihren 20ern sind. Stecken wir alle in der Krise? Wir könnten uns reich fühlen, so viele Möglichkeiten gibt es und trotzdem zweifeln wir.

Was ist Ihre größte Angst? Wieso fragt er das immer?

Ängste lähmen. Gerade dann, wenn man es richtig machen will. Wir alle kennen das – und wir alle wissen auch um die Tricks, die man anwenden kann, um Selbstzweifel zu überspielen: Mit aufgesetzter Coolness zum Beispiel und Überheblichkeit.

So auch die orientierungslosen Jugendlichen von der Richmond Highschool in ,Coach Carter‘. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte des Basketballtrainers Ken Carter, gespielt von Samuel L. Jackson. Durch die Einzelschicksale wie Trauer um erschossene Familienmitglieder, schlechte Zensuren, keine berufliche Perspektive, ein ungeplantes Baby und die Aussicht auf eine Gefängniszelle, wachsen einem die Schüler richtig ans Herz. Carter steht vor unlösbaren Aufgaben. Sieht man sich den sozialkritisch-pädagogischen Film 10 Minuten an, merkt man, dass es hier nicht nur um Sport geht.

Der Glaube an sich selbst kann auch anderen Mut verleihen

Coach Carter hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Schützlingen wieder Mut zu geben – und ergreift extreme Maßnahmen. Zusammen mit seinen Schülern trifft er die Vereinbarung, im Unterricht immer in der ersten Reihe zu sitzen und einen von ihm festgesetzten Notendurschnitt zu erreichen. Verpatzen sie das, dürfen sie nicht am Basketballtraining teilnehmen. Nach ein paar erfolgreichen Spielen stellt er allerdings fest, dass die Jungs die Regeln nicht einhalten und schließt kurzerhand die Sporthalle. Gegendwind ist da vorprogrammiert, aber dennoch kommt Aufgeben nicht in Frage. Bekräftigt darin, weil Carter als Schüler der Richmond High in der selben Lage war – auf die Herkunft, Hautfarbe und den sozialen Status reduziert. Der Trainer hat eine Vision von den Kids, die sich selbst schon lange abgeschrieben haben. Er vertraut in diese Vision, weil er an sich selbst glaubt. Den Glauben an jemanden aufzugeben, wenn man den Glauben an sich selbst nicht mehr verlieren kann? Eher unwahrscheinlich.

Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people don’t feel insecure around you. We are all meant to shine as children do. It’s not just in some of us; it’s in everyone. And as we let our own lights shine, we unconsciously give other people permission to do the same.

Haben wir das Vertrauen in uns also verloren, dann sollten wir uns dennoch trauen, jemandem die Erlaubnis zu geben, stellvertretend an uns zu glauben. Jemand, der uns wieder dahin führt, wo wir hinmüssen, um unser Potenzial zu erkennen. Coach Carter weiß, es steckt in jedem von uns, aber die größte Angst ist nicht, dass wir dieses Potenzial nicht haben, sondern es auszuschöpfen. Da wartet auch die nächste Herausforderung. Dem Auserwählten gerecht zu werden, das ist nicht immer einfach. Es ist aber auch keine Strafe, dass man sich dem Menschen, der so stark zu sein scheint, nicht immer gewachsen fühlt. Er ist ein Spiegel, gerade weil er seine Schwächen anerkannt hat. Blicken wir hinein, dann sehen wir, dass wir all das, was wir sein wollen, längst sind. Es ist kein 1 gegen 1. Es ist ein Miteinander, ein Wir, ein Mannschaftssport, wie Basketball.

Die Schüler finden diese Person in Coach Carter. Er hat die Hoffnung, dass sie auf’s College gehen können, obwohl sie nicht mal davon träumen. Aber er hält ihnen eine Perspektive vor Augen. Warum da nicht auch hinsehen?

Die Antwort auf Angst ist Liebe – das spürt man, als der Coach sich bei seinen Schülern bedankt, die nun zu Männern geworden sind. Sechs von ihnen gehen am Ende auf eine Hochschule, fünf davon mit einem Sportstipendium.

Wann ist man dafür bereit? Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht – man muss einfach losgehen, sich auch mal selbst verlieren und sich dabei nicht zu ernst nehmen. Die Zweifel überwinden, indem man zu seinen Problemen steht und offen damit umgeht: das bringt den Mut zu Veränderungen oder wie Nike schon seit den 80ern propagiert: Just do it.

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